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Israel – Eine Reise mit vielen Gesichtern
23. bis 31. Januar 2010


  Eine Gruppe von ca. 30 Menschen ist aufgebrochen, um verschiedene Gesichter eines kontroversen Landes zu erkunden. Was geschieht, wenn wir uns einlassen, jenseits unserer Vorstellungen und Konditionierungen in eines der polarisierensten Länder der Erde zu fahren? Uralte Weisheit, tiefe Konflikte, eine Vergangenheit ungleicher Geschichte breitet sich vor uns aus.

Eine Kerngruppe des Feldes von Sharing the Presence verspürte einen Ruf, auf diese Reise zu gehen. Menschen, die in ihren Seelen eine Verbundenheit zu den Themen des Landes und ihrer eigenen Geschichte fühlen.

1. und 2. Tag

Nach der Ankunft in Tel Aviv und einem Tag der Akklimatisierung haben wir uns mit einer Gruppe von Israelis, alle Schüler einer spirituellen Lehrerin namens Efrat, getroffen. Efrat und ihr Mann Seffi haben sich um die gesamte Organisation der Reise in Israel gekümmert, sind beide sehr in dem Friedensprozess hier engagiert und haben uns mit einer berührenden Achtsamkeit, Großzügigkeit und Kompetenz im Lande aufgenommen. Seffi hat uns viel von der Geschichte erzählt und uns an verschiedene Plätze, die tief in die spirituelle Herkunft der Menschheit führen, geleitet.

Das Treffen der beiden Gruppen war von einer tiefen Berührung geprägt, von Offenheit und Interesse getragen. Es hat zwei Gruppen mit einer Vergangenheit voller Schmerz zusammengebracht. Nach einer Zeit des Kennenlernens haben wir uns auch auf das Thema des Holocaust eingelassen, und der Raum war gefüllt von Nähe, Erkenntnis, Emotion und Austausch. Viele Menschen gingen aus dem Raum, angeregt im Innen, sich nochmals tiefer auf diese Thematik einzulassen.

3. Tag

Der nächste Morgen hat dies gleich noch verstärkt, denn auf dem Weg nach Jerusalem, unserer zweiten Station, haben wir uns auf das Yad Vashem, das Holocaust Memorial Center, eingelassen. Der Schrecken einer gemeinsamen Vergangenheit Deutschlands und der jüdischen Tradition schlägt uns ins Gesicht. Wir sehen den Abgrund menschlichen Verhaltens und das Unglaubliche steht unweigerlich vor uns. Viele tiefe Gefühle kommen an die Oberfläche in allen, die sich einlassen, nicht nur in die Vergangenheit, sondern in einen lebendigen Massenschatten zu schauen. Nicht das Gestern, sondern das Heute, welches das Gestern verdrängt, wird offensichtlich.

Wortlosigkeit macht sich breit – auch wenn Seffi uns seine Geschichte des Holocaust erzählt. Wir verlassen den Ort mit einer Mischung aus tiefen Gefühlen, Sprachlosigkeit und auch gleichzeitig dem tiefen Wunsch, sich mit einer Verantwortlichkeit dem Thema unserer Wurzeln zu stellen. Achtsamkeit ist immer noch die tragende Kraft in der Gruppe.

Angekommen in Jerusalem finden wir uns in einem wunderschönen Hotel in der Mitte der alten Stadt. Die Kraft einer Tradition, die Jahrtausende die Zeitlose Weisheit in sich kultiviert, nimmt uns ein wie eine Schleier, der sich sanft auf uns herabsenkt. Am Nachmittag treffen wir in einer kleinen Gruppe einen Rabbi in der Stadt, haben einen regen Austausch und einen ersten Geschmack einer uns manchmal fremden Kultur. In dem täglichen Treffen am Abend werden die starken Eindrücke der Gruppe geteilt und vertieft.



4. Tag

Der nächste Morgen führt uns in das Mysterium einer spannungsgeladenen Metropole ein, die lange Zeit immer wieder im Mittelpunkt von Konflikten stand. Ein Dreieck der Religionen ruft uns in das Herz des Glaubens der Menschheit. Wir beginnen auf der muslimischen Seite, sehen den goldenen Dom und hören seine Geschichte. Wir gehen durch die Tunnel auf der jüdischen Seite und tauchen auch in den christlichen Teil der Stadt ein. So unterschiedlich erscheinen uns die Energiefelder einer Stadt, die so tief eingegrabene religiöse Richtungen in sich trägt. Eine Inkohärenz, die sich in jedem Stein wieder finden lässt. Ein Ort, der uns ein tieferes Verständnis von einem der Grundkonflikte der Menschheit offensichtlich macht. Wir sitzen, fühlen, hören und sehen. Eine Alchemie des Verständnisses beginnt sich in uns zu formen, zu vertiefen und unsere konditionierten Vorstellungen werden auch von Wissen und Fühlen erschüttert. Wir lernen mit offenen Augen zu sehen, was wirklich stattfindet. Eine Wohltat inmitten eines heißen Kochtopfes.

5. und 6. Tag

Reich beschenkt von einer uralten Stadt brechen wir in die Wüste auf, nachdem wir unsere Morgenmeditation in der Morgensonne an der Klagemauer hinter uns gelassen haben. Die Wüste und die Stille der Weite ruft uns und wir bleiben für über zwei Tage in einem Wüsten-Meditationszentrum in Zman Midbar, das Efrat und Seffi aufgebaut haben. Einfachheit, ein großer Raum für fast die ganze Gruppe, eine wunderbare Gastfreundschaft und die Stille der Wüste umarmen uns. Wir haben plötzlich Zeit, die Reichhaltigkeit des Gesehenen zu vertiefen, uns auszutauschen und einfach still zu werden. Yehudit teilt mit uns ihr Verständnis der jüdischen Tradition, der Kabbala und den unterschiedlichen Bereichen einer reichen Kultur.

7. und 8. Tag

Nach der Zeit der Innenkehr brechen wir erneut auf und fahren in Richtung des tiefsten Ortes auf der Erde – dem Toten Meer. Eine ganz eigene Kraft beginnt zu wirken. In einer Oase eines Kibbuz verbringen wir zwei Tage wie im Paradies inmitten einer kargen Umgebung. Wir genießen einen Tag in einem wunderbaren Spa mit heißem Wasser aus den tiefen Quellen des Toten Meeres. Eine Schlammkur wird zu einer heilsamen Erfahrung und das Bad im Toten Meer zu einer salzigen Angelegenheit.

Am frühen Morgen des nächsten Tages brechen wir um 5.30 im Dunkeln auf, um eine Wanderung in den Sonnenaufgang auf die Bergfestung Mezada zu machen. Hier erklimmen wir mit dem anbrechenden Tag einen Platz, an dem eine kleine Gruppe jüdischer Praktizierender dem römischen Heer für über zwei Jahre Widerstand bot. Danach haben sie der Geschichte gemäß Massenselbstmord begangen, um dem römischen Heer nicht in die Hände zu fallen. Eine umstrittene heroische Tat. Doch der Platz ist ein Kraftort in der Stille eines Berggipfels. Eine kurze gemeinsame Meditation am Platz zeigt uns die Kraft der Stille, die hier herrscht.

Bevor wir wieder aufbrechen, um unsere Rückreise nach Tel Aviv anzutreten, halten wir an einem besonderen Ort an – Qumran. Der Platz, an dem erst kürzlich wichtige Rollen gefunden wurden, die das Bibelwissen bereichern. Ein Ort voller Kraft und uralter Energie eröffnet sich uns. Still wandern wir zu einem Ort, an dem wir eine Stunde gemeinsam sitzen und die Stille und Kraft des Ortes auf uns wirken lassen. Viele von uns sind sehr berührt.

Die Gruppe ist sich in den Tagen der Reise sehr nahe gekommen und die Gesichter der Menschen zeigen Berührtheit und die Notwendigkeit, viele tiefe Eindrücke zu verarbeiten. Wir nähern uns Tel Aviv, wo die Reise für viele wieder nach Deutschland zurück führt. Zurück mit der Erfahrung einer Kultur, die Jahrtausende Bestand hat, eines Platzes der Erde, der tief von vielen Konflikten geprägt ist und an dem viel Intensität herrscht.

Wir nehmen viele Eindrücke aus der Vielfalt und der Gegensätzlichkeit unserer Erfahrungen mit, die sich erst in einer Zeit der Integration setzen werden.


aus dem Reisetagebuch von Thomas Hübl

 


"Wahrheit heilt!"
- das ist nicht nur das Motto des diesjährigen Healingkongresses in Berlin, es eignet sich durchaus auch als Überschrift über meine Erfahrungen während unserer gemeinsamen Reise nach Israel.
Und das kommt nicht von ungefähr, denn es war ja die Intention, dass sie mich auf den verschiedenen Erfahrungsebenen mit dem kollektiven Trauma des 2. Weltkrieges und des Holocaust in Verbindung bringen sollte.

Unsere Bewegung durch das Land, die besuchten Plätze, unsere gemeinsamen Meditationen, unsere Begegnungen mit israelischen Friedensaktivisten und Geistlichen, das Mit-Teilen unserer Erfahrungen in großer und in kleiner Runde (u.a. bei den Mahlzeiten), erschufen einen Erfahrungsraum, in dem sich die Schatten, die kleinen und großen persönlichen und kollektiven Unwahrheiten, das Darüberhinwegschauen und -reden unter uns immer unwohler fühlten. Und plötzlich wurde die Verbindung zu uns selbst und unseren Reisebegleitern immer dichter und die Gewissheit fühlbar, dass Israel den Raum bietet, in dem sich die großen Religions- und Menscheitskonflikte auflösen könnten - und wir dafür eine Verantwortung tragen.

Und so wurde mir am Ende klar, dass ich mich kümmern muss - auf meine Weise, unter dem Einsatz meiner Möglichkeiten - auf der Basis einer aufrichtigen und engagierten Auseinandersetzung mit mir selbst und der Öffnung hin zu etwas Größeren.
Das ist alles ziemlich unbequem, bringt mich jedoch in Verbindung. Und das fühlt sich richtig und gut an. Ich jedenfalls spüre so viel Energie und Klarheit in mir, wie seit Jahren nicht mehr...


Joachim Kamphausen

 

Auf seiner Israel-Reise wurde Thomas Hübl von der dort sehr bekannten NRG, der Online-Ausgabe der israelischen Zeitung Maariv, interviewt.

Herausgekommen ist ein prägnanter Artikel mit einem spannenden Interview:

The Shadows Are Calling Us – Interview with Thomas Hübl
If you saw Thomas Huebl on the street, you could probably guess that he was an artist or a man of philosophical or spiritual inclinations. He has that refinement, sensitivity, ease of being and quiet joy that spiritual work and awakened consciousness tend to cultivate. And indeed, Huebl, a 40-year-old spiritual teacher from Germany, has dedicated his life to spiritual development - first in himself and in the last few years together with others... der ganze Text als pdf

www.nrg.co.il/online

     
 
 


 
 
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